Section Navigation

PRC

Neuer Sportprototyp der Gruppe CN 3000

PRC Sportprototyp 2009 LM

Hard, CT - Oktober 2009

Testbericht PRC CN2L
Am 6. Oktober 2009 klappte es, Roland Rupprechter testete einen atemberaubenden Rennwagen aus der PRC Schmiede in Hockenheim bei graubewölktem Himmel, trockener Fahrbahn und 19 Grad Aussentemperatur. Das QNH betrug 1018. Die Luftdichte betrug 1,2293 kg/m3. Das Rennauto lief superb. Die sequentielle Schaltung, die Stabilität und die Bremsem waren ein Hit. Dennoch lagen die Rundenzeiten um 10 Sekunden über meiner persönlicher Bestzeit von 1998. Das lag aber nicht an dem tollen Rennwagen - sondern ganz alleine an mir. Zu gross war noch der Respekt, das edle Fahrzeug am Limit zu bewegen. Ich bin aber fest davon überzeugt, meinen neu zugewiesenen Sportprototypen PRC BMW CN3000 (Danke Walter und Emanuel!) in 2010 schon bald artgerecht bewegen zu können. Mehr dann später an dieser Stelle.

Fahrbericht PRC BMW 3 Liter CN
780kg, 440 PS, 480 Newtonmeter: in 1,01 Minuten um den kleinen Kurs in Hockenheim oder knapp unter 1,15 Minuten für eine Runde in Dijon (F). Der neue PRC Sportprototyp SRC 2007 LM ist der erste Rennwagen von Walter Pedrazza, der auf 18 Zoll grossen BBS Rädern rollt und schneller als 200 mph (322 km/h) läuft. Nicht, dass man es vor der ersten Ausfahrt mit dem Über-Rennwagen unbedingt wissen müsste. Es steigert nur ein wenig den Respekt vor der Leistung, die hinter dem Gaspedal lauert. Denn unter Volllast presst einem der brutal andrückende 440-PS die Gehirnmasse beinahe zu den Gehörgängen hinaus, die 380-Millimeter-Keramik/Kohlefaserbremsen haben die Wirkung eines perfekt dosierbaren Auffahrunfalls. Der sehr praktisch rechts angebrachte Schaltstick steuert das sequenzielle Sechgang-Getriebe von Hewland. Nur ein lässiges Antippen, und der PRC-Sportprototyp donnert sich in Wimpernschlag-Geschwindigkeit den nächsten Gang ins Getriebe. Hochschalten ohne Zugunterbrechung, beim Herunterschalten bellt der Rennmotor mit automatischen Zwischengas, brodelt, hustet - einfach ganz grosses Kino mit brutalem Soundtrack.

On Track: Wer sich zum ersten Mal hinter das (abnehmbare) Steuer setzt, wird durch die extrem tiefe Sitz-, nein besser, Liegeposition überracht. Was dem Schwerpunkt hilft, schränkt hier aber die Rundumsicht deutlich ein. Im hektischen Renngeschehen ist das sicher gewöhnungsbedürftig. Doch dafür griff der Entwickler den Piloten auf einem anderen Sektor hilfreich unter die Arme: Neben dem bereits beschriebenen Hewland NMT Direktschaltgetriebe, das verschalten praktisch ausschliesst, sorgt ein wirksames Sperrdifferential für die richtige Spur.

Beim Druck auf den Starterknopf erwacht der Dreiliter-BMW-M3-Saugmotor mit kreischendem Ton zum Leben. Mit einem Zug am Schaltstick wird der erste Gang eingelegt. Jetzt kann es losgehen. Das Anfahren selbst wird zum Kinderspiel: Der linke Fuss muss im Rennauto nicht vorsichtig dem Druckpunkt einer empfindlichen Rennkupplung nachfühlen - denn er hat schlicht Pause. Ein Kupplungspedal besitzt der Renner nämlich nicht. Ist der Gang eingelegt, gibt der Pilot einfach Gas. Nervenschondend und Narrensicher setzt sich der Rennwagen so in Bewegung.

Wer jetzt zu übermütig aus der Boxengasse stürmt, dem droht der erste Dreher. Denn die Pirelli-Slicks wollen noch warmgefahren werden. Sind sie auf Betriebstemperatur, wird der PRC-Rennwagen zu einem Kurvenkünstler, mit dem extremste Querbeschleunigungen erzielbar sind. Das dreifach verstellbare KW-Fahrwerk zeigt sich bestens ausbalanciert, lediglich in engen Ecken ist eine Tendenz zum Untersteuern bemerkbar. Für Mega-Abtrieb sorgen der flache Unterboden mit Diffusor, Frontsplitter und Heckflügel. Das sehr hohe technische Niveau des Renners macht ihn zum Favoriten in der begehrten European Sports Car Challenge (SSC), ein prall gefüllter Preistopf und die Präsentation im Rahmen bekannter Rennserien tun ihr Übriges. Vor den Augen des Publikums können sich junge Talente für grössere Aufgaben empfehlen. Und entsprechend hart wird in der Serie gekämpft. Der PRC-Sportprototyp ist dabei ein Sportgerät, das ambitionierten Fahrern einen deutlichen Eindruck von den Anforderugen des professionellen Rennsports vermittelt.

Wer jemals die Gelegenheit hat, das Gaspedal dieses Renners voll in den Boden zu pressen, für den verändert sich die Wahrnehmung von Raum und Zeit vielleicht für immer. In nur 7,5 Sekunden passiert der Bolide die 200-km/h-Grenze und - man will es kaum glauben - in 15,5 Sekunden fällt die 300-km/h Schallmauer, untermalt von infernalen Brüllen aus dem Titanauspuff von Inconell und lautem Zischen beim Schalten.

Ein grandioses Rennauto. Schade, dass es nur auf der Rennpiste zuhause ist.

Words: Roland Rupprechter
Model: PRC Rennsportprototyp SRC 2007 LM

Mehr Infos von Pedrazza Motorsport und der SCC
Pedrazza Motorsport, PRC.